In meinem letzten Beitrag (Welche Berufe trifft KI zuerst?) habe ich erklärt, wie das KI-Exposure-Tool von ki-strategien.com funktioniert und was die Scores bedeuten. Wenn du ihn nicht gelesen hast: Es ist das Werkzeug, in dem du deinen Beruf eingibst und eine Zahl zwischen 0 und 10 bekommst. Die Zahl zeigt dir, wie stark deine tägliche Arbeit von KI betroffen ist.
Ich habe 144 Berufe durchgerechnet. Und dann habe ich mich selbst gesucht. Score 8, Berater, Vertrieb, Unternehmensentwicklung. Überrascht hat mich das nicht, in Panik bin ich auch nicht verfallen, eher war es eine Bestätigung. KI übernimmt genau die Teile meiner Arbeit, die mich sowieso nie begeistert haben.
Aber was nützt dir die Zahl, wenn du nicht weißt, was du damit machen sollst? Genau darum geht es in diesem Beitrag. Drei Schritte, die jeder machen kann, egal ob der Score 3, 7 oder 9 ist.
Kurz gesagt, die drei Schritte für diese Woche: den Arbeitstag in Aufgaben zerlegen, gezielt Breite dazulernen, ein KI-Werkzeug an einer echten Aufgabe testen.
Was dein Score wirklich bedeutet
Kurz zur Erinnerung, bevor wir in die Handlung gehen.
Ein Score von 0 bis 3 bedeutet: Dein Beruf ist weitgehend geschützt. Physische Arbeit, Arbeit vor Ort, Arbeit mit Menschen. Aber auch hier verändern sich die Randbereiche, also Dokumentation, Angebotserstellung, Kundenkommunikation.
Score 4 bis 6 ist die Mischzone. Teile deiner Arbeit kann KI übernehmen, andere nicht. Hier entscheidet sich, ob du KI als Werkzeug nutzt oder ob sie dich langsam überflüssig macht. Das ist die Zone, in der es sich am meisten lohnt, jetzt aktiv zu werden.
Score 7 bis 10 bedeutet hohe Exposition. Das heißt nicht, dass du morgen arbeitslos bist. Es heißt, dass der Preis für deine Arbeit sinken wird, wenn du nichts änderst. Bei Übersetzern sehen wir das schon heute: Der Verband deutschsprachiger Übersetzer spricht von einem akut gefährdeten Berufsstand. Nicht weil alle arbeitslos werden, sondern weil die Honorare unter Druck geraten, wenn KI den ersten Entwurf liefert.
Der Score ist kein Urteil. Er ist ein Kompass. Er zeigt dir, wo du genauer hinschauen solltest.
Drei Beispiele aus dem Tool
Bevor ich dir die drei Schritte gebe, drei konkrete Fälle aus unserem Tool. Nicht zur Panikmache, sondern zur Orientierung.
Büro und Sekretariat, Score 7, rund 2,15 Millionen Beschäftigte
Die größte betroffene Gruppe in absoluten Zahlen. Was KI schon heute kann: E-Mail-Korrespondenz, Terminplanung, Protokolle, Dateneingabe. Was KI nicht kann: die Chefin kennen. Wissen, dass Herr Müller immer zehn Minuten zu spät kommt. Das Betriebsklima spüren.
Handlungsempfehlung: Werde die Person, die KI steuert, statt die Arbeit zu machen, die KI übernimmt. Lerne, KI-Ergebnisse zu prüfen, statt Texte selbst zu tippen. Das ist kein Jobwechsel, das ist ein Rollenwechsel innerhalb desselben Jobs.
Steuerberatung, Score 8
Überraschend hoch für viele. Aber 80 Prozent der täglichen Arbeit ist digitale Textarbeit: Erklärungen, Optimierungen, Mandantenkorrespondenz. Genau das, was KI am besten kann. Was bleibt: Mandantenbeziehung, Urteilsvermögen in Grenzfällen, strategische Beratung.
Handlungsempfehlung: KI für Routinearbeit einsetzen und dadurch Zeit gewinnen für die Beratung, die kein Algorithmus leisten kann. Die Steuerberaterin von morgen ist nicht die, die schneller Formulare ausfüllt, sondern die, die ihren Mandanten strategisch durch komplizierte Situationen führt.
Handwerk, Score 2, rund 6 Millionen Beschäftigte
Als Gegenbeispiel. Physische Arbeit vor Ort, jede Baustelle anders, direkter Kundenkontakt. KI kann Angebote schreiben und Termine planen, aber nicht die Heizung reparieren.
Handlungsempfehlung: Trotzdem lohnt es sich, die Randbereiche zu automatisieren. Angebote, Rechnungen, Kundenkommunikation, das spart eine halbe Stunde am Tag, die du auf der Baustelle besser nutzt.
Die drei Schritte, die du diese Woche machen kannst
Keine Theorie, keine langen Erklärungen. Drei konkrete Dinge, die jeder von uns in dieser Woche erledigen kann.
1. Zerleg deinen Arbeitstag in Teile
Nimm einen typischen Tag und schreib auf, was du den ganzen Tag tust. Dann geh die Liste durch und markiere: Was davon hat eine klare Eingabe, ein klares Ergebnis und hohe Wiederholung?
Das sind die Teile, die KI morgen übernehmen kann. Standard-E-Mails, wiederkehrende Angebote, Protokolle, Dateneingaben, Zusammenfassungen. Alles andere, also Entscheidungen, Beziehungen, Improvisation, Kundenkontakt, das ist dein geschützter Bereich. Konzentrier dich darauf.
Das klingt banal, ist aber der wichtigste Schritt. Die meisten Menschen wissen gar nicht, wie ihr Arbeitstag wirklich aussieht. Sie schätzen, sie vermuten, sie erinnern sich an die letzten drei Tage. Schreib es eine Woche lang wirklich auf. Du wirst überrascht sein, wie viele Stunden am Tag du mit Aufgaben verbringst, die KI in Minuten erledigen würde.
2. Bau dir Breite auf
Nicht den Beruf wechseln. Aber Bereiche dazulernen, die dein Spezialistenkollege nicht sieht. Beschäftige dich mit einem Fachgebiet, das weit weg ist von deinem eigenen. Lies ein Buch über ein Thema, von dem du keine Ahnung hast.
Nicht aus Langeweile, sondern weil die Zukunft denen gehört, die Verbindungen herstellen können. KI liefert die Tiefe, in jeder Spezialisierung ist sie besser als du. Breite musst du selbst mitbringen. Und Breite ist genau das, was KI dir nicht abnehmen kann: der Moment, in dem du erkennst, dass ein Problem aus deinem Handwerk mit einer Idee aus einer ganz anderen Welt lösbar ist.
Dazu habe ich auf meinem persönlichen Blog einen eigenen Beitrag geschrieben, nämlich warum Generalisten mit KI die Gewinner sind und was mein eigener Lebenslauf damit zu tun hat. Elektroingenieur, Software-Gründer, 3D-Druck-Unternehmer, KI-Berater. Früher habe ich mich dafür entschuldigt, heute ist es mein größter Vorteil. Warum Generalisten mit KI die Zukunft überleben
3. Probier ein KI-Werkzeug aus, für eine konkrete Aufgabe
Kein Kurs, kein Seminar, kein „ChatGPT von Grund auf verstehen“. Nimm einfach die nächste E-Mail, die du schreiben musst, und lass KI den ersten Entwurf machen. Prüfe das Ergebnis. Korrigiere es. Mach das drei Tage lang.
Am vierten Tag merkst du, dass du 20 Minuten gespart hast und trotzdem bessere E-Mails schickst. Das lernst du nicht im Seminar, das lernst du beim Machen, und es funktioniert besser als jede Schulung.
Wenn du nicht weißt, wo du anfangen sollst: Geh auf claude.ai oder chatgpt.com, melde dich kostenlos an und schreib deinen ersten Prompt. Du brauchst keine Kreditkarte und musst nichts installieren. Der schwierigste Teil ist, es zu öffnen. Alles danach ist einfacher, als du denkst.
Die Brücke
Dein Score zeigt dir, wo du stehst. Nicht wo du stehen bleiben musst.
Die Menschen, die in den nächsten Jahren bestehen werden, sind nicht die mit dem niedrigsten Score. Es sind die, die ihren Score kennen und etwas daraus machen. Die nicht warten, bis sich ihr Stundensatz halbiert hat, sondern heute anfangen, ihre Arbeit anders aufzuteilen.
Drei Schritte, eine Woche. Danach weißt du, wie dein Arbeitstag wirklich aussieht, du hast angefangen, dich breiter aufzustellen, und du hast ein KI-Werkzeug ausprobiert. Das ist mehr, als 90 Prozent der Menschen in deinem Umfeld in diesem Jahr machen werden.
Prüfe deinen Beruf im KI-Exposure-Tool → /berufe-ki
Häufige Fragen
Ich habe einen hohen Score, muss ich den Beruf wechseln?
Nein. Ein hoher Score bedeutet, dass sich deine Arbeit verändern wird, nicht dass du den Beruf wechseln musst. Der Beruf bleibt, aber die Aufgaben innerhalb des Berufs verschieben sich. Weg von Routine, hin zu Beziehung, Urteilsvermögen und Strategie.
Ich habe einen niedrigen Score, bin ich sicher?
Sicherer als andere, ja. Aber auch bei niedrig exponierten Berufen lohnt sich der Einstieg in KI für die Randaufgaben. Ein Handwerker spart eine halbe Stunde am Tag, wenn Angebote und Kundenmails automatisch vorformuliert werden, das sind im Jahr rund 120 Arbeitsstunden.
Welches KI-Werkzeug soll ich zuerst ausprobieren?
Claude (claude.ai) oder ChatGPT (chatgpt.com). Beide haben eine kostenlose Version, beide sind auf Deutsch verfügbar. Für den Einstieg reicht eine der beiden. Nimm die, zu der du keine persönliche Abneigung hast, die Unterschiede merkst du als Einsteiger kaum.
Wie lange dauert es, bis ich einen echten Nutzen habe?
Bei der Einstiegsaufgabe, also eine E-Mail schreiben lassen, fünf Minuten. Für regelmäßige Zeitersparnis in deinem Arbeitsalltag etwa eine Woche, bis es sich eingespielt hat. Für den vollen Umbau deines Workflows ein paar Monate. Aber der erste Effekt ist sofort da.
Muss ich mich mit Prompt Engineering beschäftigen?
Nein. Die einfachsten Prompts sind die besten: Beschreib das Problem, sag was du brauchst, fertig. Prompt Engineering ist für Profis interessant, aber nicht für den Einstieg. Schreib einfach mit der KI, als würdest du einem Kollegen eine Aufgabe erklären.
Bilder in diesem Beitrag sind KI-generiert.


